Hintergründe zum Spiel

Was steckt dahinter?

Auch nach über 30 Jahren öffentlicher Aufklärungsarbeit und Schulprojekten bezüglich der Vorbeugung vor Geschlechtskrankheiten, wie zum Beispiel AIDS, zeigen Studien, dass sich viele Jugendliche und junge Erwachsene beim Geschlechtsverkehr nicht vor der möglichen Übertragung von Krankheiten schützen. Neue Untersuchungen haben gezeigt, dass Jugendliche im Alter zwischen 15 und 24 Jahren beinahe die Hälfte aller gemeldeten Neuinfizierungen mit Geschlechtskrankheiten abdecken. Das ist ziemlich viel und verdeutlicht, dass die gegenwärtigen Aufklärungskampagnen nur bis zu einer gewissen Grenze erfolgreich sind. Die Idee des ganzen Projektes ist es daher, ein Bewusstsein für gesundheitsorientierte und trotzdem lustbetonte Sexualpraktiken zu schaffen.

Was sagt denn unser Gehirn dazu?

Doch wie kommt es dazu, dass gerade im jungendlichen Alter Verhaltensweisen beobachtet werden, die ganz bewusst das Risiko einer Gesundheitsgefährdung in Kauf nehmen? Es gibt da natürlich einige Theorien. Zum einen ist im jugendlichen Alter das Netzwerk im Gehirn, das für impulsive und gefühlsgeleitete Handlungen zuständig und durch frühere Erfahrungen geprägt ist, ungefähr ab 16 Jahren voll entwickelt. Hier spielen sogenannte „implizite Assoziationen“, also unbewusst existierende, automatische Gedankenverknüpfungen, eine entscheidende Rolle. Ein Beispiel für eine implizite Assoziation wäre, Kondome nicht zu benutzen, weil man befürchtet dann weniger schönen Sex zu haben, obwohl man bewusst eigentlich für die Benutzung von Kondomen ist. Es gibt im Gehirn noch ein weiteres Netzwerk, das sogenannte reflexive System, das für das kritische Hinterfragen und Bewerten einer Handlung zuständig ist. Dieses System tritt zum Beispiel dann in Kraft, wenn man Kondome unbewusst zwar wegen dem Gefühlsproblem ablehnt, in der Situation selber aber nicht das Risiko eingehen will, sich sein Leben für eine einzige Nummer zu versauen. Dieses reflexive Netzwerk ist allerdings erst mit 26 Jahren so richtig ausgebildet, sodass eine Lücke von ungefähr 10 Jahren exisitert. In dieser Lücke ist das Risiko, dass Entscheidungen eher nach unbewussten und oft lustbetonten (weil mit einer Belohnung – zum Beispiel sofortigem Sex – einhergehend) Kriterien getroffen werden, deutlich erhöht.

Spielt nur die Reife des Gehirns eine Rolle?

Diese Frage liegt natürlich nahe! Nun ist es aber nicht so, dass Verhalten nur von diesen beiden Gehirn-Netzwerken bestimmt würde. Das persönliche Umfeld, die Erziehung, das Verhältnis zu den Eltern, der Freundeskreis und noch eine Menge anderer Faktoren spielen hierbei ebenfalls eine wichtige Rolle. Es ist wie so oft: die Mischung macht’s. Unsere Idee war es nun, die impliziten Assoziationen – die ja eine bedeutende Rolle bei der Entscheidung spielen, wie man sich verhält, bewusst aber nicht immer zugänglich sind – hin zu einem gesundheitsbewussten und trotzdem lustvollen Sexualverhalten zu beeinflussen. Eine Möglichkeit dies zu erreichen, besteht in der Simulation der Situation, in der eine Entscheidung für oder gegen Schutz beim Sex getroffen wird. Eine geeignete Plattform um dies zu simulieren, ist das Situations-Spiel: ein sogenanntes „serious game“. Hier kann man implizite Assoziationen aufdecken und dann gezielt verändern. Dies hat allerdings nichts mit Gehirnwäsche oder so etwas zu tun. Wenn das so einfach wäre, dann würden unsere Gehirne andauernd gewaschen werden. Man kann hier keine festen Überzeugungen verändern und auch niemandem gegen seinen Willen ein anderes Verhalten aufzwängen. Man kann allerdings ein automatisches Reagieren auf eine Situation dahingehend abändern, dass das Verhalten nicht mehr automatisch ausgeführt wird, weil ein gesundheitsbewusstes Vorgehen wichtiger geworden ist. Die Entscheidung, wie man sich aber letztendlich verhält, bleibt jedem frei.

Das fertige Produkt – spielend trainieren

Am Ende dieses Projektes (Dezember 2015) steht ein fertiges Spiel, das dabei helfen soll, sich nicht kopflos von früheren Erfahrungen oder übernommenen Einstellungen leiten zu lassen, sondern eine bewusste Entscheidung zu treffen, ob man sich auf ein ungeschütztes Sexabenteuer einlässt oder auch nicht.