Der Orgasmus der Frau – eine Reise durch die Welt der Sexualforschung

Der Orgasmus der Frau – eine Reise durch die Welt der Sexualforschung

by IntelliSex, 15. Mai 2014

Das große Mysterium des Orgasmus. Er ist das erwünschte und erhoffte Finale jeglicher sexuellen Aktivität bleibt aber leider des öfteren auf der Strecke – meist bei dem weiblichen Teilnehmer des Spiel-Spaßes… Um es eben in Zahlen auszudrücken: Nur ca. 25% der Frauen aber über 90% der Männer haben jedes Mal einen Orgasmus wenn sie Sex haben!

Aber woran liegt das denn genau wenn es mal nicht klappt mit dem erfüllenden Feuerwerk nach vaginaler, analer oder wo-auch-immer Stimulation? Und kann man überhaupt einen Orgasmus erreichen ohne am Geschlechtsorgan direkt zu Gange zu sein?

Sicher haben das einige von euch schon erfahren.. Hitzegefühl, schneller Herzschlag, vielleicht sogar ein leicht taubes, prickelndes Gefühl am Mund oder den Fingerspitzen. Der Orgasmus wird zwar von jedem anders empfunden, ist aber doch unverkennbar wenn er beginnt.
Für Frauen ist es oft schwieriger einen Orgasmus zu bekommen, da er etwas mehr Fingerspitzen Gefühl benötigt und weil sich die Frau oft nicht ausreichend entspannt, nicht den Kopf frei bekommt, sich vielleicht auch manchmal schämt oder einfach weil ihr Sexualpartner nicht ganz weiss was er wie machen sollte und nicht darüber gesprochen wird.

Ich wollte euch anhand einer Forschung aus dem Jahr 2005 zeigen auf wie viele verschiedene Arten Frauen Orgasmen haben können, und das obwohl in dieser Forschung Frauen mit einer Rückenmarksverletzung und einer daraus resultierenden Lähmung untersucht werden. Die Forscher dieser Studie (sie heissen R. Komisaruk und B. Whipple) haben Frauen untersucht die entweder ab der Mitte oder dem unteren Teil der Wirbelsäule gelähmt waren.

Um zu verstehen warum die Wirbelsäule so wichtig ist wenn es um fühlen und empfinden geht, hier ein kleiner biologischer Ausflug:

Unsere Wirbelsäule und unser Gehirn bilden das zentrale Nervensystem (ZNS) unseres Körpers, alle Nervenstränge in unserem Körper sind an irgendeiner Stelle mit dem ZNS verbunden. Das ist sehr wichtig denn ohne die Verbindung zum ZNS würden wir uns eines Schmerzes nicht bewusst sein. Denn wenn wir uns zum Beispiel mit der Hand am Herd verbrennen, nehmen wir diesen Schmerz erst dann wahr, wenn die “Schmerzinformation” von der Hand zum ZNS geleitet und dort angekommen ist. Das zentrale Nervensystem ist also notwendig damit wir jegliche sensorische Information die von Nervenzellen aufgenommen wird überhaupt erst spüren und darauf reagieren können. Unsere Nerven sind mit Organen, Drüsen oder Muskeln verbunden und treten in das ZNS an verschiedenen Stellen ein. Jede Stelle unserer Wirbelsäule hat ihren eigenen Namen, da Nerven nicht alle am selben Ort in die Wirbelsäule eintreten sondern jeder Wirbel bzw Nerv des Wirbels andere Verbindungen hat (siehe Bild unten), wenn man also von einer Querschnittslähmung ab dem Punkt T10 spricht, geht alle sensorische Information die unterhalb dieses Punktes liegt, verloren. Der sogenannte “Becken Nerv” verbindet den Enddarm und Rectum, Uterus und die Genitalien an einem sehr weit unten gelegenen Punkt mit der Wirbelsäule.

Orgasmus

Im Fall der Frauen in der Studie die ich erwähnt habe, sollte man hier von ausgehen dass sie keine Orgasmen haben können und Stimulation im vaginalen Bereich nicht spüren. Aber das Gegenteil scheint der Fall zu sein, die Frauen berichten dass sie Orgasmen bekommen und im Labor haben manche der Frauen nicht nur einen Orgasmus durch vaginale Stimulation erfahren sondern berichteten selbst dass sie die Stimulation im vaginalen Bereich spüren konnten. Und ihre Gehirnaktivität, wie auch körperliche Reaktionen (erhöhter Puls, Temperaturanstieg, erweiterte Pupillen) zeigen, dass sie in der Tat Orgasmen erfahren haben. Und das durch die verschiedensten Arten der Stimulation. Hierfür scheint ein Nervenbündel namens “Vagus Nerven” verantwortlich zu sein, da dieses ausserhalb der Wirbelsäule zum Gehirn läuft und Informationen dadurch direkt zum Gehirn leiten und sie dadurch wahrgenommen / gefühlt werden können. Hierfür haben verschiedene Forschungen Anzeichen gefunden.

So berichtet zum Beispiel eine der Frauen, welche ab der Mitte ihrer Wirbelsäule gelähmt ist, dass sie Orgasmen durch Berührung in ihrem Nacken und Schulter Bereich bekommt. Eine andere Gruppe von Frauen haben angegeben nur durch Gedanken und ohne jegliche Berührung Orgasmen bekommen zu können, und auch das wurde getestet und durch Gehirnaktivitäten und biologische Reaktionen bewiesen. Die Wissenschaftler konnten die Glaubwürdigkeit durch Beobachtung des Herzschlags, der Körpertemperatur und Erweiterung der Pupillen und Messungen mit Magnetresonanztomographie belegen.

Nur durch Gedanken einen Orgasmus bekommen? Ja, liebe Männer (und bestimmt auch die ein oder andere Frau), fühlt euch angesprochen und motiviert, es ist möglich, also nix mehr mit faulen Ausreden darüber dass eine Frau doch eh nicht zum Höhepunkt kommt, Mühe geben! 🙂

Und auch andere Studien berichten von Frauen die Orgasmen durch die Stimulation der verschiedensten Stellen am Körper (Anus, Brüste und Nippel ect.).
Es ist biologisch gesehen gar nicht unwahrscheinlich, dass man auch durch die Stimulation des Afters einen Orgasmus erfährt. Unsere sensorischen Pfade/ Nervenbündel, führen von den Sinnesorganen zum Gehirn und sind dabei meist mit verschiedenen Körperteilen verknüpft, wie zum Beispiel der Becken Nerv (englisch: Pelvic Nerve), der ist sowohl mit der Vagina als auch der Gebärmutter und dem Anus verbunden, bündelt sich und leitet Informationen so zum Gehirn. Und abgesehen von den biologischen Abläufen und Gründen die hinter einem Orgamus stecken (welche noch lange nicht 100% definierbar sind) ist es eben auch kognitive / gedankliche Arbeit oder Vorstellungskraft die bei einem Orgasmus helfen oder ihn hervorrufen.

Mit dieser kleinen Reise durch die Sexualforschung hoffe ich euch ein wenig gezeigt zu haben, dass vieles unverhofft doch noch funktioniert und es Alternativwege gibt zu seinem “Ziel” zu kommen. Ausserdem sollt ihr dadurch auch Vertrauen finden euren Körper und euch als individuell und einzigartig anzusehen, und nicht zu glauben dass ihr ein bestimmtes Schema F verfolgen oder erlernen müsst, damit ihr es zu eurem Orgasmus schafft. Nein, probiert einfach aus ob allein oder mit Partner. Man sagt doch immer so schön “Probieren geht über studieren” oder “Learning by doing” und all die anderen tolle Sprüche die es da so gibt… Also Mut zum probieren, das ist gut und wichtig, denn nur so lernt und erfährt man am Meisten und Besten über sich selbst.

Wie immer verabschiede ich mich mit einem, passt auf euch auf und Ahoi.
Isa

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