Aber ich habe es doch gesehen…

Aber ich habe es doch gesehen…

by IntelliSex, 20. Oktober 2013

„Ich glaube das erst, wenn ich es mit eigenen Augen gesehen habe” ist eine Aussage die man öfters zu hören bekommt. Doch, ist die Welt wirklich so wie wir sie sehen oder gibt es diese berühmt-berüchtigte rosarote Brille wirklich, durch die einige ihre Welt betrachten? Oder anders ausgedrückt, sehen wir die Welt so wie sie ist oder so wie wir sie gerne sehen möchten? Natürlich haben sich Psychologen und Verhaltensforscher auch hierüber Gedanken gemacht und sich ausgefeilte Experimente ausgedacht um diese Frage zu erforschen.

Die Resultate der Experimente brachten interessantes zu Tage. Zum Beispiel wurden Objekte welche die Teilnehmer gerne gehabt hätten durchweg als größer eingeschätzt als diese tatsächlich waren. Weniger begehrenswerte Objekte wurden hingegen kleiner geschätzt. Auch Aktivitäten welche von Versuchspersonen freiwillig gewählt wurden (z.B. auf einem Skateboard sitzend sich einen steilen Berg hinaufzuschieben) schnitten im Vergleich zur Verpflichtung dieser Aktivität bei der Endbewertung deutlich besser ab.

Aber auch das Gegenteil wurde beobachtet. Menschen die bedrohlich wirkten wurden von Versuchspersonen als näher wahrgenommen, verglichen mit harmlos wirkenden Menschen, obwohl die Distanz identisch war. Der aktuelle Stand der Forschung zeigt, dass wir unsere Umwelt nicht so wahrnehmen wie sie objektiv ist, sondern wie wir sie subjektiv einschätzen oder gerne hätten. Die rosarote Brille ist also voll aktuell und die Farbwahl ihrer Gläser abhängig von den ganz persönlichen Wünschen und Einstellungen. Nicht verwunderlich dass es nun auch einen wissenschaftlichen Begriff für dieses Phänomen gibt: wishful seeing (in Anlehnung an den Begriff wishful thinking).

Im Bereich der persönlichen Beziehungen könnte dieses wishful seeing die ganze Bandbreite an Gefühlschaos und Fehlinterpretationen einleiten. Aber natürlich auch den Nagel auf den Kopf treffen, wenn es genauso ist wie man es gerne haben möchte. Natürlich besteht die Möglichkeit durch wishful seeing Gefahren erst zu spät (oder überhaupt nicht) zu erkennen. Jedoch ist das Wissen um die Möglichkeit einer wunschgesteuerten visuellen Fehlinterpretation die erste Voraussetzung nicht immer auf sich selbst hereinzufallen.

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